In der Alkoholforschung und der Alkoholprävention
wird die Menge des konsumierten Alkohols häufig in so genannten „Standardgläsern“
gemessen. Ein Standardglas enthält 10 bis 12g reinen Alkohol und entspricht
der Menge, die normalerweise in einem Restaurant ausgeschenkt wird:
1 Stange Bier = 1 Glas Wein = 1 Gläschen
Schnaps

Risikoarmer
Konsum
Insgesamt ist der Alkoholkonsum der Schweizer Bevölkerung risikoarm. Die überwiegende
Mehrheit der schweizerischen Bevölkerung ab 15 Jahren (95.5% im Jahr 2007)
konsumiert Alkohol auf eine risikoarme Art und Weise1
(d. h. nicht mehr als zwei Standardgläser pro Tag bei Männern und nicht
mehr als ein Standardglas pro Tag bei Frauen.)
Doch nicht nur die Menge, sondern auch die Situation, in der konsumiert wird, ist
zentral. Ein Konsum gilt dann als risikoarm, wenn die Person nicht nur mit Mass,
sondern auch der Situation angepasst Alkohol trinkt.
Es gibt zwar Indizien, dass Alkoholkonsum in kleinen Mengen (1 Standardglas
pro Tag) bei gesunden Menschen ab 45 Jahren einen schützenden Effekt auf Herz
und Kreislauf haben kann. Es ist jedoch nicht nötig, deshalb Alkohol zu trinken!
Regelmässige körperliche Aktivität, Nichtrauchen und eine ausgewogene Ernährung
sind viel wirksamere Mittel. Eine Illusion ist es zu denken, man sei doppelt
geschützt, wenn man zwei Gläser trinkt!

Problematischer
Konsum
Von problematischem Konsum spricht man, wenn „durch das Konsumieren von Alkohol
die eigene Gesundheit oder diejenige anderer Personen erheblich gefährdet wird
und entsprechende Schäden in Kauf genommen oder verursacht werden. Als problematisch
gilt auch der Alkoholkonsum von Personen, die – wie Kinder oder kranke Menschen
– grundsätzlich auf Alkohol verzichten sollten“2.
Folgende drei Konsummuster werden beim
problematischen Konsum unterschieden:
- Episodisch hoher Konsum (auch Rauschtrinken genannt):
Konsum von 5 Standardgläsern oder mehr (Männer) bzw. 4 Standardgläsern oder
mehr (Frauen) bei einer Gelegenheit.
- Chronisch hoher Konsum: 4 Standardgläser oder mehr pro
Tag bei Männern bzw. 2 Standardgläser oder mehr bei Frauen.
- Situationsunangepasster Konsum: zum Beispiel am Arbeitsplatz,
im Strassenverkehr, während der Schwangerschaft, beim Sport, bei gleichzeitiger
Einnahme von Medikamenten etc.

Abhängigkeit
Der Übergang von einem problematischen Konsumverhalten zu einer Abhängigkeit
ist fliessend. Man spricht von Abhängigkeit, wenn eine Person nicht mehr frei
darüber entscheiden kann, ob sie Alkohol konsumiert oder nicht.
Die Abhängigkeit ist nicht an einer bestimmen Konsummenge festzumachen. Alkoholabhängigkeit
ist eine Krankheit, die anhand international festgelegter Kriterien diagnostiziert
wird3. Für die Diagnose „Alkoholabhängigkeit“
hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) folgende Kriterien festgelegt:
- Ein starker Wunsch, Alkohol zu konsumieren
- Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren
- Anhaltender Konsum trotz schädlicher Folgen
- Dem Konsum wird Vorrang vor anderen Aktivitäten und
Verpflichtungen gegeben
- Toleranzentwicklung (Trinkmenge muss gesteigert werden,
damit gleiche Wirkung erzielt wird)
- Körperliches Entzugssyndrom
Eine Alkoholabhängigkeit wird von einer Ärztin bzw. einem Arzt oder einer spezialisierten
Fachperson dann diagnostiziert, wenn mindestens drei dieser Kriterien im Laufe
des vergangenen Jahres erfüllt waren.
1 Berechnungen auf Basis der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2009. SFA, 2007
2 Nationales Programm Alkohol 2008 – 2012. BAG. Schweizerische Eidgenossenschaft
3 Internationale Statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme ICD-10. 10. Revision. Genf, 1993