Konsumverhalten der Schweizer Wohnbevölkerung

In der Alkoholforschung und der Alkoholprävention wird die Menge des konsumierten Alkohols häufig in so genannten „Standardgläsern“ gemessen. Ein Standardglas enthält 10 bis 12g reinen Alkohol und entspricht der Menge, die im Gastgewerbe normalerweise ausgeschenkt wird:

 

Konsumverhalten
Die Ergebnisse der CoRolAR-Befragung 2014 zeigen, dass in der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren neun von zehn Personen zumindest gelegentlich Alkohol trinken (87.3%). Etwa eine von zehn Personen berichtet einen täglichen Konsum (10.3%), 43.2% trinken mehrmals pro Woche aber nicht täglich und ein Drittel trinkt seltener als wöchentlich (33.6%). Circa eine von zehn Personen trinkt nach eigenen Angaben nicht mehr bzw. hat in ihrem Leben noch nie getrunken (12.7%).
Neuere Studien zeigen, dass vom gesundheitlichen Standpunkt der optimal positive Effekt für koronare Herzerkrankungen bei einem Glas oder gar weniger erreicht wird. Dies ist insbesondere in etablierten Marktwirtschaften bedeutsam, weil dort koronare Herzerkrankungen einen hohen Anteil an der Gesamtsterblichkeit haben.
Quelle: Suchtmonitoring  Schweiz (2015).

 

Problematischer Konsum

Von problematischem Konsum spricht man, wenn „durch das Konsumieren von Alkohol die eigene Gesundheit oder diejenige anderer Personen erheblich gefährdet wird und entsprechende Schäden in Kauf genommen oder verursacht werden. Als problematisch gilt auch der Alkoholkonsum von Personen, die – wie Kinder oder kranke Menschen – grundsätzlich auf Alkohol verzichten sollten“1.

Folgende drei Konsummuster werden beim problematischen Konsum unterschieden:

  • Episodisch hoher Konsum (auch Rauschtrinken genannt): Konsum von 5 Standardgläsern oder mehr (Männer) bzw. 4 Standardgläsern oder mehr (Frauen) bei einer Gelegenheit.
  • Chronisch hoher Konsum: 4 Standardgläser oder mehr pro Tag bei Männern bzw. 2 Standardgläser oder mehr bei Frauen.
  • Situationsunangepasster Konsum: zum Beispiel am Arbeitsplatz, im Strassenverkehr, während der Schwangerschaft, beim Sport, bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten etc.
Quelle: Nationales Programm Alkohol 2008 – 2012. BAG. Schweizerische Eidgenossenschaft

 

Abhängigkeit

Der Übergang von einem problematischen Konsumverhalten zu einer Abhängigkeit ist fliessend. Man spricht von Abhängigkeit, wenn eine Person nicht mehr frei darüber entscheiden kann, ob sie Alkohol konsumiert oder nicht.

Die Abhängigkeit ist nicht an einer bestimmen Konsummenge festzumachen. Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, die anhand international festgelegter Kriterien diagnostiziert wird1. Für die Diagnose „Alkoholabhängigkeit“ hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) folgende Kriterien festgelegt:

  • Ein starker Wunsch, Alkohol zu konsumieren
  • Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren
  • Anhaltender Konsum trotz schädlicher Folgen
  • Dem Konsum wird Vorrang vor anderen Aktivitäten und Verpflichtungen gegeben
  • Toleranzentwicklung (Trinkmenge muss gesteigert werden, damit gleiche Wirkung erzielt wird)
  • Körperliches Entzugssyndrom
Quelle: BfS, CIM-10: Internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10)